Wie gehe ich mit Sorgen um?

Ich denke über viele Dinge nach wenn der Tag lang ist. Doch dieses Nachdenken ist tückisch, denn: Nur allzu schnell wird aus dem bloßen Nachdenken ein Sich-Sorgen-machen. Diese Sorgen wollen mich gefangen nehmen und sind in der Lage, mir den Schlaf zu rauben. Dieses Jahr wird viele einschneidende Veränderungen mit sich bringen. Ist es möglich, trotzdem ruhig zu schlafen und wenn ja, wie?

Aktuelle Sorgen

Momentan befinden wir uns als Familie an einem Wendepunkt: Noch in diesem Jahr werden wir unsere Heimat hier im Norden Deutschlands verlassen. Es zieht uns nach Leipzig, wo wir gemeinsam mit einem Team eine Kirche gründen wollen. Wenngleich wir uns sehr auf diesen Schritt freuen, spüre ich dennoch immer wieder Sorgen in mir aufkeimen: Werden wir rechtzeitig eine passende Wohnung finden? Wie organisieren wir so einen Umzug mit zwei Kleinkindern? Wird mein Mann einen guten Job finden? Wie wird es sein, wenn unsere Familien und der Großteil unserer Freunde hierbleiben?

Ich könnte diese Liste weiter fortsetzen. An manchen Abenden liege ich innerlich aufgewühlt im Bett und merke, wie diese oder ähnliche Sorgen mich gefangen nehmen wollen. Wie sie mich am Einschlafen hindern. Aber muss ich diese Tatsache einfach so hinnehmen?

Sorgen wollen sich einnisten

In diesem Zusammenhang finde ich das folgende Zitat sehr anschaulich:

„Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupt fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.“ (Martin Luther)

Dieses Zitat von Luther gefällt mir zum einen wegen der Bildhaftigkeit: Sorgen mit Vögeln zu vergleichen, die um meinen Kopf schwirren, erscheint mir passend. Zum anderen finde ich die inhaltliche Aussage so ermutigend: Ich muss nicht einfach hinnehmen, dass meine Sorgen sich bei mir einnisten! Statt passiv zu sein und die „Sorgenvögel“ ungestört ihre Nester bauen zu lassen, kann ich sie aktiv daran hindern. Unternehme ich jedoch nichts, machen sie es sich bei mir gemütlich und sind dann umso schwerer wieder loszuwerden. Aber was genau kann ich tun?

Lösungsvorschläge gegen das Sorgen

Oft sind meine sorgenvollen Gedanken wirr und undefiniert. Daher finde ich es hilfreich zu überlegen, welche konkreten Ängste hinter meinen Sorgen stecken. Wenn ich beispielsweise besorgt bin, ob es eine gute Idee ist, unsere Wohnung zu kündigen ohne eine neue in Aussicht zu haben, steckt dahinter letztlich die Angst, plötzlich auf der Straße zu sitzen. An dieser Stelle könnte ich meine Überlegungen abbrechen. Oder aber ich gehe noch einen (lohnenden) Schritt weiter, denn meine Ängste verraten viel über mich selbst. Darüber, was mir im Leben wichtig ist.

Was steckt hinter meiner Angst?

Wenn ich also Angst davor habe, nicht zu unserem Wunschtermin eine passende Wohnung zu finden, steckt eigentlich mehr dahinter: Ich wünsche mir eine schöne neue Wohnung und würde ungern die erstbeste mieten. Eine im Erdgeschoss wäre ideal. Ein kleiner Garten noch besser. Auch wenn dieser Wunsch nachvollziehbar sein mag, möchte ich mich hier dennoch hinterfragen: Wäre ich bereit, eine Wohnung zu beziehen, die nicht meinen eigentlichen Vorstellungen entspricht? Die keinen Garten hat, obwohl ein solcher mir meinen Alltag mit meinen beiden Kleinkindern erleichtern würde? Bin ich bereit, auf diesen Komfort zu verzichten? Bin ich bereit, meinen Wunsch nach Erleichterung meines Alltags hintenanzustellen?

Ich reiße das Thema der Angst hier nur an. Was mir hierbei jedoch wichtig ist: Hinter meinen Sorgen stecken Ängste und diese Ängste wiederum zeigen, was mir wirklich wichtig ist. Decke ich diese Dinge auf, kann ich meine Ängste gezielt angehen, was sich wiederum auf meine Sorgen auswirkt.

Was kann ich nun konkret tun?

Wie geht es also weiter, wenn die Ängste hinter den Sorgen aufgedeckt sind? Hierzu gibt es nahezu unendlich viele Ratschläge. Eine Sache haben sie jedoch gemeinsam: Es geht immer darum, dass ich etwas tun muss. Es hängt an mir. An meiner Anstrengung, das unerwünschte Ereignis abzuwenden. An meinem positiven Denken. Aber bin ich wirklich in der Lage, mich selbst von meinen Ängsten zu befreien?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es tatsächlich etwas gibt, was ich aktiv gegen meine Sorgen und Ängste tun kann. Es ist wirklich möglich, sie loszuwerden. Gleichzeitig bin ich dabei aber überraschend passiv: Meine Sorgen müssen weichen, wenn ich sie zu meinem Gott bringe. Wenn ich sie loslasse, um sie stattdessen ihm zu überlassen.

Es gibt einen, der für mich sorgt

Gott ist es, der für mich sorgt. Er versorgt und umsorgt mich. In der Bibel lese ich die folgende Ermutigung und ein damit verbundenes Versprechen: „Alle eure Sorge werft auf ihn [Gott]; denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7) Wenn der Schöpfer dieser Welt für mich sorgt, brauche ich keine Angst mehr zu haben. Er wird mich und uns als Familie mit allem Nötigen versorgen.

Wie er uns konkret versorgen wird, weiß ich aktuell noch nicht. Ich weiß nicht, ob wir unsere Traumwohnung beziehen werden. Was ich aber heute schon mit Sicherheit sagen kann: Ich bin Gottes geliebtes Kind. Er ist mein mich liebender Vater und versorgt mich mit allem, was ich wirklich brauche (vgl. Galater 4,6). Deshalb muss ich keine Angst vor der Zukunft haben.

Es besteht nicht einmal dann Grund zur Sorge, wenn die Dinge anders laufen als ich sie mir erhofft habe. Im Gegenteil. Gott verspricht, dass er im Leben seiner Kinder alle Dinge so einfädelt, dass sie ihnen am Ende zu ihrem Besten dienen (vgl. Römer 8,28). Alle Dinge. Diese Tatsache ist ebenso erstaunlich wie befreiend. Selbst wenn der Sturm des Lebens tobt, gibt es einen Frieden mitten im Sturm. (Mehr hierzu habe ich im Blogpost „Frieden auf Erden?!“ geschrieben.)

Aktiv loslassen

Ich werde meine Sorgen also los, wenn ich sie bewusst meinem Gott überlasse. Wenn ich darauf vertraue, dass sie bei ihm in den besten Händen sind. Indem ich das tue, glaube ich Gott und seinem Versprechen, dass er für mich sorgt. Somit unterscheidet sich dieses Loslassen fundamental vom positiven Denken, bei dem ich mir gut zurede, dass schon „alles irgendwie gut wird“.

Wenn ich meine Sorgen bewusst Gott abgebe und mein Vertrauen stattdessen in seine Fürsorge setze, hindere ich die Sorgenvögel an ihrem Nestbau. Sie schwirren vielleicht immer noch um meinen Kopf und wollen sich von Zeit zu Zeit erneut einnisten. Aber dann darf ich mich immer und immer wieder selbst an Gottes Versprechen erinnern: Gott schenkt mir seinen Sohn Jesus Christus und mit ihm alles andere (vgl. Römer 8,32). Er sorgt für mich. In jeder nur erdenklichen Hinsicht. In den großen Dingen und in den kleinen. (vgl. Matthäus 6, 25-34)

Praktische Fragen

  • Was bereitet dir aktuell Sorgen? Welche Angst steckt jeweils dahinter?
  • Was hindert dich daran, diese Sorgen Gott anzuvertrauen?
  • Vielleicht hast du immer noch mit einer bestimmten Sorge zu kämpfen, obwohl du sie Gott bereits abgegeben hast. Kann es sein, dass du dir diese Sorge wieder zurückgeholt hast? Wir dürfen immer und immer wieder mit derselben Sache zu Gott kommen…

6 Antworten auf „Wie gehe ich mit Sorgen um?“

  1. Ein guter Artikel. Ich denke, jeder von uns kennt bestimmte Sorgen die immer mal wieder kommen. Gerade wenn es um lebensverändernde Dinge geht. Ich kann mich da leider nicht immer von negativen Gefühlen oder Ängsten frei machen, aber mir hilft es auch, da an Gott zu denken und an sein Wort.

    1. Liebe Kristina, vielen Dank für deinen Kommentar. Wie schön, dass du ebenfalls merkst, dass Gott und seine Versprechen dich bezüglich der Sorgen ruhiger werden lassen! Liebe Grüße

  2. Ich kann deine Sorgen gerade sehr gut nachvollziehen… es gibt gewisse Parallelen *lach* Und von Grund auf bin ich jemand, der sich viel sorgt. 1. Petrus 5,7 ist quasi „mein“ Vers. Heute habe ich bei einem Frauengebetsfrühstück eine gute Anregung bekommen. Eine Frau berichtete, dass sie sich vorgenommen hat, am Sabbat keine Sorgen zuzulassen. Natürlich sollen wir uns an keinem Tag Sorgen, aber an einem Tag zu beginnen, das könnte helfen… Ihre Erfahrungen waren sehr positiv. Tomas Sjödin schreibt in dem Buch „Warum Ruhe unsere Rettung ist“, dass die Juden am Sabbat auch keine Fürbitte halten, sondern nur Gott loben und preisen. Es ist der Tag, einfach nur „zu sein“ in der Gegenwart Gottes. Der Gedanke inspiriert mich… Liebe Grüße, Martha

    1. Liebe Martha, ich habe auch schon daran gedacht, dass du viele meiner Sorgen sicherlich gut nachempfinden kannst, weil du aktuell Ähnliches erlebst 🙂 Da passt der Vers aus 1. Petrus 5,7 ja wirklich toll!
      Danke auch für die Anregung, den Sorgen an einem Tag der Woche bewusst keinen Raum zu geben. Ich stelle mir das sehr herausfordernd vor, aber es ist sicherlich eine gute Übung! Wenn in der Bibel steht, dass wir unsere Gedanken „gefangen nehmen“ sollen (vgl. 2. Kor. 10,5), kann das ein Anfang sein. Und ich glaube auch, dass es in jedem Fall stimmt, was Tomas Sjödin beschreibt: Wenn wir unseren Blick bewusst auf Gott richten, wenden wir uns von unseren Sorgen ab. Sie werden kleiner, weil wir wieder erkennen, wie groß Gott ist! Alles rückt sich dann zurecht… Danke für diese hilfreichen Impulse und liebe Grüße! 🙂

  3. Vielen Dank für Deinen Artikel. Was mir hilft, ist der Gedanke, dass Jesus bei mir ist. Vor allem, wenn ich in seinem Auftrag hier unterwegs bin. Ich kann wohl sagen: „Ich mache mir Sorgen.“ Aber kann ich auch sagen: „Wir machen uns Sorgen.“ Also Jesus und ich. Nein, das geht nicht. Ich höre dann gleich: „Also Daniel, du machst dir Sorgen, aber ich mache mir keine. Ich habe die Situation im Griff!“ Deswegen versuche ich mehr im Wir zu leben und weniger im Ich. Gelingt mir auch nicht immer, aber immer mehr.

    1. Hallo Daniel,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Dieser Gedanke ist wirklich sehr anschaulich und hilfreich. Viel zu oft nehmen wir an, wir seien allein unterwegs und vergessen dabei, dass Jesus doch versprochen hat, uns nie zu verlassen. Er geht an unserer Seite, vor uns her und manchmal trägt er uns auch wie das verlorene Schaf auf den Schultern. Somit besteht eigentlich kein Grund zur Sorge mehr. Danke für dieses anschauliche Bild des Gemeinsam-Unterwegs-Seins. Viele Grüße, Natalie

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