Was ich meinen Kindern mitgeben möchte

Von Wurzeln und Flügeln

Neulich war ich mit meinen Kinder beim Arzt. Direkt im Eingangsbereich fiel mein Blick auf einen bekannten Spruch, der in großen Lettern die Wand zierte:

„Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen:
Wurzeln und Flügel.“
(vermutlich nicht von Goethe)

Ob das Zitat nun von Goethe stammt oder nicht: Ich habe sofort innerlich zugestimmt: Ja, das klingt gut! Ich möchte meinen Kindern Wurzeln und Flügel schenken.
Wir nahmen im Wartezimmer Platz und ich vergaß den Spruch. Später jedoch fiel er mir wieder ein und ich musste noch einmal über seine Aussage nachdenken: Was ist eigentlich mit diesen Worten gemeint? Wofür stehen die „Wurzeln“? Was sind diese „Flügel“? Und bin ich tatsächlich in der Lage, meinen Kindern all das zu geben? Besitze ich diese Wurzeln und Flügel, um sie ihnen schenken zu können?

Wurzeln und Flügel

Ich glaube, dass die Wurzeln in diesem Zitat für Halt im Leben stehen. Eltern können ihren Kindern z. B. Geborgenheit und Liebe vermitteln und sie so für das Leben stark machen. Aus dieser Sicherheit heraus können den Kindern dann Flügel wachsen, die es ihnen ermöglichen, mutig und selbstständig durchs Leben zu gehen.
Es würde mich allerdings nicht wundern, wenn jemand dieses Zitat ganz anders versteht. Je nachdem, aus welchem Hintergrund man kommt, was man erlebt hat und glaubt, kann man diesen Spruch sehr unterschiedlich interpretieren.
Letztlich sucht jeder Mensch in seinem Leben nach Halt. Nach etwas, das diesem Leben Sinn gibt. Bei dem einen ist es die Familie, beim anderen der Job oder die Gesundheit. Auch, wenn wir unseren Kindern nicht explizit sagen, was uns ganz persönlich Halt und Sicherheit gibt, werden sie es doch an unserem Lebensstil erkennen. Die spannende Frage ist aber: Ist das, wovon ich mir im Leben Halt verspreche, wirklich tragfähig? Können diese Wurzeln auch meinen Kindern dauerhaften Halt und Sicherheit geben? Was sollen also konkret die „Wurzeln“ sein, die ich meinen Kindern geben will?

Verwurzelt in der Liebe

Mein Mann und ich möchten, dass unsere Kinder sich geliebt wissen. Unabhängig von den Umständen bedingungslos geliebt. Im Alltag neige ich jedoch dazu, meine Kinder mehr zu lieben, wenn sie sich an die Familienregeln halten und anderen Menschen gegenüber rücksichtsvoll und freundlich sind. Verhalten sie sich jedoch anders als ich es mir wünsche, tendiere ich dazu, sie weniger lieb zu haben. Hier wünsche ich mir Veränderung: Unsere Kinder sollen spüren, dass sie immer geliebt sind. Dass sie sich unsere elterliche Liebe nicht verdienen müssen und können. Sie sollen weder Angst vor Liebesentzug aufgrund eines bestimmten Verhaltens haben noch unter der Last leiden, sich unsere Zuneigung durch gute Taten verdienen zu müssen. Denn sie sind unsere Kinder und allein diese Tatsache reicht aus, um geliebt zu werden.

Das mag realitätsfremd klingen. Tatsächlich gibt es in meinem Alltag häufig Momente, in denen ich mich nicht danach fühle, meine Kinder zu lieben. Viel zu oft liegt die Ursache hierfür in meinem eigenen falschen Handeln, z. B. in meiner Ungeduld, welches sie ebenfalls zu unguten Verhaltensweisen motiviert. Wodurch auch immer es bei meinem Kindern zu weniger liebenswerten Verhaltensweisen kommt: Häufig kann ich ihnen gegenüber dann keine bedingungslose Liebe aufbringen. Aber genau in diesen Momenten trifft es mich ins Herz: Meine Liebe ist leider viel zu oft an Bedingungen geknüpft! Aber Gott ist anders! Obwohl ich viel schlimmer bin als meine Kinder, liebt er mich mehr als ich es ahne und verdiene.

Von dieser bedingungslosen Liebe Gottes, die Jesus unendlich viel gekostet hat, möchte ich meinen Kindern erzählen. Gottes Liebe soll die Wurzel sein, die ihrem Leben Halt und Sicherheit gibt. Einfach, weil sie hält, was sie verspricht, denn: Gott und seine Liebe können von nichts erschüttert werden. Ich bete, dass unsere Kinder mehr als alles andere in der Liebe Jesu verwurzelt sind:

„Es ist mein Gebet, dass Christus [Jesus] aufgrund des Glaubens in euren Herzen wohnt und dass euer Leben in der Liebe verwurzelt und auf das Fundament der Liebe gegründet ist.“ (Epheser 3,17)

Mut und Entschlossenheit

Schließlich sind da noch die Flügel. Sie sollen unsere Kinder zum mutigen Fliegen befähigen. Ich wünsche mir, dass diese Flügel sie in die Lage versetzen, ihr Leben zu meistern. Unsere Kinder sollen selbstständig und doch abhängig leben. Mit „selbstständig“ meine ich, dass sie ihre Entscheidungen zwar prüfen, sich aber nicht auf ungesunde Weise von den Meinungen anderer Menschen abhängig machen. Stattdessen wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass sie die Wurzeln jederzeit fest im Blick haben und in Abhängigkeit von Jesus leben. Er ist wie ein Weinstock und wir sind die Reben. Genau wie eine Rebe mit dem Weinstock verbunden sein muss, um Nährstoffe zu erhalten und Früchte hervorzubringen, müssen auch wir mit Jesus in Verbindung stehen (vgl. Johannes 15, 4-5). Bei den Flügeln, die ich meinen Kindern schenken möchte, handelt es sich also um das Vertrauen auf Gottes Liebe und auf Jesus selbst. Ich bete, dass dieses Gottvertrauen sie zu mutigen und entschlossenen Schritten für das Gute motiviert:

Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.«“ Josua 1,9

Beschenkt, um weiterzugeben

Sind diese Wurzeln und Flügel, die ich meinen Kindern schenken möchte, also etwas, was in meinem Besitz ist? Kann ich frei über sie verfügen, weil ich sie besitze oder sie mir erarbeitet habe? Nein. Ganz im Gegenteil: Ich kann Gottes Liebe durch nichts, was ich tue, hervorrufen, verstärken oder verlieren. Sie kam völlig unerwartet zu mir als ein freiwilliges, unverdientes Geschenk Gottes. Diese bedingungslose Liebe darf ich weitergeben, weil auch ich unverdient damit beschenkt bin. Deshalb möchte ich meinen Kindern von diesem Gott und seiner Liebe erzählen. In ihm selbst sollen sie verwurzelt sein und das Vertrauen auf ihn soll ihnen Flügel verleihen.

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