Von unerfüllten Wünschen und tollen Nachbarn

Unser Fazit nach zwei Monaten in Leipzig

Freust du dich auch immer so, wenn Menschen ehrlich daran interessiert sind, wie es dir geht? Wenn sie wissen möchten, wie die letzte Zeit für dich war? Manche von euch haben gefragt, wie es uns seit unserem (gefühlt sehr großen) Umzug ergangen ist. Zusammengefasst möchte ich euch sagen: Nicht reibungslos, aber ich staune darüber, wie gut der Gott, an den ich glaube, alle Dinge eingefädelt hat.

Der unerfüllte Wunsch nach einem Garten

Da ich mit unseren beiden Kindern meist zweimal täglich rausgehe, haben mein Mann und ich uns einen Garten gewünscht. Wir dachten, dieser würde mir den Alltag erleichtern und uns die Möglichkeit geben, Nachbarn und Freunde zum Grillen o.ä. einzuladen. Also beteten wir für einen Garten (hier habe ich darüber geschrieben). Als wir jedoch eine Doppelhaushälfte mit Garten besichtigen wollten, meldete sich der Vermieter aus bis heute unerklärlichen Gründen einfach nicht mehr. So zogen wir schließlich in eine Wohnung ohne Garten, aber mit großem Innenhof. Und was soll ich sagen?

Viel besser als erwartet

Ich bin einfach dankbar, dass es genau so gekommen ist! Wir haben in den letzten Wochen nämlich sehr viele tolle Nachbarn kennengelernt, die ebenfalls mit ihren Kindern in genau diesem Innenhof spielen. Wir teilen uns den Rasen, das Klettergerüst und immer öfter Kaffee und Kuchen. Aus einigen Bekanntschaften entwickeln sich Freundschaften und ich bin sicher, dass wir hier genau richtig sind. Unsere Kinder haben immer Spielkameraden und fangen an, sich mit ihren neuen Freunden zu verabreden. Besonderes schön ist für uns zudem die Tatsache, dass wir uns diesen Innenhof auch mit einem Teil der Familie teilen: Larissa und André wohnen mit ihrem Sohn ebenfalls hier (Larissa ist die Schwester meines Mannes). Auch wenn ein eigener Garten seine Vorzüge hat, hätten wir mit Sicherheit niemals in so kurzer Zeit so viele Kontakte geknüpft. Statt also einen Großteil meiner Zeit und Energie in die Pflege eines Gartens zu stecken, kann ich mich nun insbesondere in Beziehungen investieren. Und ich habe das Gefühl, dass dies gerade dran ist.

Ein besonderes Highlight war für uns kürzlich eine Art Doppelgeburtstag, den wir gemeinsam mit unseren neuen Nachbarn und Freunden im Innenhof gefeiert haben. Wir begannen mit Kaffee und Kuchen, grillten wenig später und ließen den Abend neben den noch schwach glühenden Kohlen ausklingen. Es war einfach schön!

Das LeipzigProjekt im Wohnzimmer

Wie einige von euch wissen, sind wir gemeinsam mit einigen Leuten hergekommen, um das LeipzigProjekt zu gründen. In den ersten Wochen nach unserem Umzug haben wir als Familie zunächst verschiedene andere Gottesdienste in der Stadt besucht und wurden dort sehr herzlich willkommen geheißen. Seit Ende August veranstalten wir nun unsere ersten kleinen Gottesdienste. In unseren Wohnungen. Manchmal waren wir nur eine Handvoll Menschen, an einem Sonntag platzte unser Wohnzimmer fast aus allen Nähten. Aktuell machen wir keine offizielle Werbung für unsere Gottesdienste, weil wir bewusst noch keine Location anmieten. Wir wollen zunächst die Stadt und ihre Menschen besser kennenlernen. Vielleicht finden wir aber schon bald eine größere Räumlichkeit und dann geht es richtig los. Dennoch sind bereits jetzt schon einige Leute (über teils wundersame Wege) zu uns gestoßen. Wir freuen uns über tolle Gemeinschaft untereinander und mit unserem Gott, sonntags und unter der Woche.

Es war auch turbulent

Beim Lesen dieser Zeilen könnte man nun fälschlicherweise annehmen, dass die letzten Wochen rosarot waren. Diesen Eindruck will ich jedoch nicht erwecken, sondern stattdessen ehrlich sein mit dem, was ich schreibe. So waren insbesondere die ersten Wochen nach unserem Umzug wirklich hart. Wir lebten aus und zwischen den Umzugskartons, während zwei Kleinkinder um uns herumwirbelten und den geregelten Alltag vermissten. Mein Mann und ich kannten uns kaum in der näheren Umgebung aus. Während er eine Woche nach dem Umzug in seinen neuen Job startete, war es meine Aufgabe, von morgens bis abends zwei wilde Kleinkinder bei Laune zu halten. Ohne zu wissen, wo es gute Spielplätze gibt. (Danke Judith! Du warst insbesondere in dieser Startzeit eine tolle Hilfe!) Wir kämpften immer wieder mit Krankheiten und waren einfach nur müde von den Strapazen der letzten Wochen. Manchmal war ich wirklich verzweifelt, aber im Rückblick erkenne ich, dass Gott uns nie verlassen hat. Stattdessen war ich oft einfach zu beschäftigt oder zu müde, um ihn aktiv zu suchen. Aber er hat mich und uns nie aus den Augen verloren.

Meine Hoffnung

Vielleicht können dir meine Erfahrungen der letzten Wochen Mut machen. Mut machen, wenn Träume zerplatzen. Wenn etwas, auf das du gehofft und für das du vielleicht sogar gebetet hast, eben nicht eintritt. In unserem Fall hat Gott unseren Traum vom Garten platzen lassen, weil er etwas Besseres für uns hatte.
Manchmal erkennen wir leider nicht (sofort), dass ein geplatzter Traum weichen muss, nur um Platz für etwas Besseres zu machen. Ich kenne solche Momente. Sie sind bitter. Aber ich möchte Mut machen, dass es auch und gerade in diesen Situationen jemanden gibt, der besser ist als jede gute Gabe: der Geber selbst. Gott höchstpersönlich.

Mit diesem Blogpost möchte ich niemandem empfehlen, Gott vor lauter Müdigkeit oder Geschäftigkeit aus den Augen zu verlieren. Ein Leben mit ihm ist tausendmal schöner als alles, was ich kenne. Gott ist so unglaublich: Er lässt sich gerne finden, wenn wir ihn von ganzem Herzen suchen (vgl. Die Bibel in Matthäus 7,8; Jakobus 4,8). Aber wenn es doch passiert und wir ihn nicht suchen wollen oder können, so ist Gott trotzdem in der Lage, uns zu finden. Er geht uns nach. Mitten in unserem Alltag. In unserer Selbstbezogenheit und Geschäftigkeit. Er kann uns selbst dann finden. Gott ist ein Gott, der uns Menschen so sehr liebt, dass er uns sucht. Jesus kommt selbst. Mitten in unser Umzugschaos und mitten in unseren Alltag.

8 Antworten auf „Von unerfüllten Wünschen und tollen Nachbarn“

  1. Wie schön, von dir zu lesen und, dass ihr gut in Leipzig angekommen seid. Euer Innenhof sieht genial aus und ist es nicht schön, wie sich manches – anders als gedacht, aber wirklich gut – fügt?! Ich wünsche euch weiterhin gutes Eingewöhnen und Gottes Segen, auch für das LeipzigProjekt.
    Liebe Grüße,
    Nici

    Das Wolken-Sonnenuntergang-Bild ist wunderschön! ☁️💕

    1. Liebe Nici,
      vielen Dank für deinen Kommentar! <3 Ja, der Innenhof ist wirklich toll, wir lieben ihn auch sehr. Und wir sind echt dankbar, dass Gott alles so gut gelenkt hat wie wir es nicht mal geahnt haben 🙂
      Danke für deine lieben Wünsche, Grüße und dein Interesse an unserem ganzen Prozess!
      Ganz liebe Grüße, Natalie

  2. Ich habe mit großem Interesse den Bericht gelesen und freue mich mit euch. Rainer und ich beten, seit wir von eurem Projekt wissen täglich für euch.
    Bei den Worten: Gottesdienst im Wohnzimmer – musste ich gleich an die Anfänge der Arche denken.
    Euer Innenhof ist ja wunderschön. Wir werden euch weiterhin im Herzen und unseren Gebeten haben.
    Trixie und Rauner

    1. Liebe Trixie, wie schön, von dir und euch zu hören!
      Vielen, vielen Dank, dass ihr uns so sehr im Gebet begleitet! Das ist ein großes Geschenk, denn ohne Gottes Hilfe und all die Gebete könnten wir das ganze Unterfangen gleich lassen. Also danke für euer Mittragen und Mitfiebern! Das bedeutet uns allen viel!
      Ja, stimmt: Dass die Arche mal so klein angefangen hat, habe ich manchmal gar nicht auf dem Schirm 🙂
      Liebe Grüße, auch an Rainer,
      Natalie

  3. Hallo ihr Lieben. Seid dankbar und vertraut dem Herrn, er wird es weiterhin wohl machen mit euch. Ich ziehe den Hut vor euch und es ist eine wahre Freude zu sehen, was Jesus mit und durch euch dort vor Ort tut. Es ist und wird nicht leicht, aber euer Einsatz ist die Mühe wert und euer Herz am richtigen Fleck. Seid weiterhin mutig, hingegeben und treu.Der Herr ist mit euch. Er möge euch reichlich segnen.

    1. Lieber Mike,
      vielen Dank für deine Worte. Wir fühlen uns eigentlich überhaupt nicht so, als müsse man vor uns in irgendeiner Form den Hut ziehen 😉 Aber es freut mich sehr, wenn du durch unsere Erfahrungen ermutigt wurdest und wirst. Danke für dein Interesse an dem Projekt. Ich denke, eigentlich ist es egal, wo man ist: Sei es in Hamburg, irgendwo anders in Deutschland oder im Ausland, überall dürfen wir als Gottes Kinder mit Jesus leben. Ihn interessiert allein unsere Hingabe zu ihm – im Großen wie im Kleinen. Egal wo… 🙂
      Ich wünsche dir ebenfalls Seinen Segen auf deinem Weg und in deinem Alltag und sende dir viele Grüße aus Leipzig 🙂
      Natalie

  4. Ein ganz toller Text finde ich!! Wir hatten j vorher auch einen Innenhof und es ist immer noch ein kleiner Schmerz, dass wir den loslassen mussten. Aber wie du sagst: Es kommt etwas besseres! Danke!

    1. Vielen Dank liebe Sarah!! 🙂 Ich wusste gar nicht, dass ihr vor eurem Umzug einen Innenhof hattet. Dann kennt ihr das Leben mit einem solchen ja nur zu gut. Ich kann mir vorstellen, dass ihr ihn vermisst, bin mir aber ganz sicher, dass jemand etwas sehr, sehr Gutes für euch vorbereitet (hat)! Ich bin gespannt, künftig von euren Erfahrungen in Afrika zu lesen und schicke dir liebe Grüße! Natalie

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