Verlasse das Konzert nicht nach der Vorband!

Wenn wir in Bibelgeschichten das Beste übersehen

Stell dir vor, du bist als Besucher auf einem Konzert. Die Vorband leitet den Abend ein. Ihre Musik ist ganz gut und reißt das Publikums mit. Doch als sie fertig gespielt hat und es still wird im Saal, passiert das Absurde: Viele Besucher drehen sich einfach um und gehen nach Hause. Sie interpretieren die Umbaupause als das Ende der Show. Aber da kommt doch noch was! Die Vorband war schließlich nur die Vorbereitung auf den eigentlichen Act! Der Star des Abends wartet bereits hinter der Bühne auf seinen großen Auftritt… Wäre es nicht verrückt, bereits nach der Vorband nach Hause zu gehen und das Beste zu verpassen? Leider tun wir oft genau das, wenn wir einen Bibeltext lesen: Wir meinen, seine Aussage erkannt zu haben und verlassen daraufhin gewissermaßen das Konzert. Hierbei übersehen wir allerdings oft seine tiefere Bedeutung und verpassen den Star des Abends. Eine einfache Übung hierzu kann dein Leben verändern.

Bibelgeschichten und ihre Aussagen auf den ersten Blick

Die feindlichen Armeen stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite die siegessicheren Philister mit ihrem Vorzeigekrieger Goliath, dem gefürchteten Riesen. Auf der anderen Seite die vor Angst zitternden Israeliten. Plötzlich passiert etwas Überraschendes: Der kleine Hirtenjunge David tritt Goliath entgegen. In diesen ungleichen Kampf geht er lediglich mit einer Steinschleuder sowie mit dem festen Vertrauen, dass sein Gott ihm helfen wird. Er siegt völlig unerwartet und rettet dadurch sein Volk. (vgl. Die Bibel, 1. Samuel 17)

Bibelgeschichten wie die von Davids Sieg über den Riesen können uns Mut machen, ebenfalls Großes zu wagen. Wir dürfen Gott vertrauen und mit ihm über Mauern und unseren eigenen Schatten springen. Mutig sein. Dies sagt die Bibel an vielen Stellen, beispielsweise in Josua 1,9: „Habe ich dir nicht geboten, dass du stark und mutig sein sollst? Sei unerschrocken und sei nicht verzagt; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wo du hingehst!“

David war mutig. Er kann uns und unseren Kindern darin ein Vorbild sein. Aber ist das wirklich alles, was wir aus solchen Bibelgeschichten lernen dürfen? Sei mutig wie David! Sei bereit, zu vergeben wie Josef (vgl. 1. Mose 50,15-21)! Sei treu wie Rut! (vgl. Rut 1,14-17) Würden wir Bibelgeschichten auf diese Aussagen reduzieren, wären wir wie Konzertbesucher, die nach der Vorband schon gehen.

Die „Vorband“ steht für all die „Helden“ in der Bibel. Für alle Davids, Josefs und Ruts, von denen wir vieles Gute lernen können. Aber der eigentliche Star in diesem Buch ist Jesus. Die Helden sollen uns auf ihn hinweisen und uns ermutigen, auf Jesus als den wahren Helden zu schauen. Wie komme ich darauf?

Die Bibel erzählt eine einzigartige, große Geschichte

Jesus sagt selbst, dass sich die Texte der Bibel auf ihn beziehen: „Und er [Jesus] begann bei Mose und bei allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus, was sich auf ihn bezieht.“ (Lukas 24,27)

Bei der Bibel handelt es sich demnach nicht um eine Sammlung von Geschichten über Helden, denen wir nacheifern sollen. Stattdessen ist die Bibel eine einzige große Liebesgeschichte. Von vorne bis hinten erzählt sie von einer Person: von Jesus und seiner Liebe, die er zu uns hat. Für die er bereit war, alles zu geben: „Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16)

Auch wenn das Wort „Jesus“ in einem Großteil der Bibel nicht vorkommt, deutet sie doch inhaltlich immer wieder auf ihn hin. Sie kündigt ihn an, erzählt direkt von ihm oder verweist expilzit auf ihn zurück. Jesus kommt inhaltlich überall vor. Bereits auf der ersten Seite der Bibel bei der Erschaffung der Welt und in den Geschichten von David, Josef, Rut und vielen anderen. Jesus ist gewissermaßen der rote Faden, der sich von vorne bis hinten durchzieht. Das Zentrum der Bibel.

Der wahre Held

In der Geschichte von David und Goliath beispielsweise wird Jesus durch David repräsentiert. So wie der Hirtenjunge den Riesen besiegt hat, hat Jesus für uns gekämpft und durch sein Sterben am Kreuz die Sünde und den Tod besiegt. Die Geschichte ermutigt uns also nicht in erster Linie dazu, so zu werden wie David. Stattdessen ist sie ein Hinweis darauf, was für einen großartigen Sieg Jesus für seine Kinder (sein Volk) erringen wird. Wir können uns in der Geschichte also insbesondere mit dem Volk identifizieren, das von Davids Sieg profitiert. Ebenso wie die Israeliten dürfen wir uns über den Sieg unseres erfolgreichen Heldens freuen, über Jesus selbst.

Diese Sichtweise finde ich sehr ermutigend! Warum? Wenn ich in der Bibelgeschichte ausschließlich auf David schaue, kann ich leicht resignieren: „So mutig wie David war ich heute nicht! Ich habe versagt, weil ich Gott nicht vertraut habe. Was denkt er jetzt von mir?“ 

Wenn ich in der Geschichte allerdings die Parallele zwischen David und Jesus sehe, werde ich ermutigt: „So mutig wie David war ich heute nicht. Ich habe versagt, weil ich Gott nicht vertraut habe. Aber wie gut, dass Jesus für mich gekämpft und gesiegt hat! Seine Liebe zu mir hängt nicht von meinem „Erfolg“ oder „Misserfolg“ ab.“ 

Eine Übung: Wie kann ich Jesus in den Bibelgeschichten finden?

Wenn wir nun also Bibeltexte lesen oder unseren Kindern vorlesen, ist Jesus vielleicht nicht immer leicht darin zu finden. Eine gute Studien- oder Kinderbibel mit zusätzlichen Erklärungen kann hier eine gute Hilfe sein. Im nächsten Blogpost folgt ein entsprechender Buchtipp. Aber auch ohne diese Hilfsmittel kann man üben, Jesus und das Evangelium in jeder Geschichte zu suchen und zu finden.

Hier können uns drei Fragen1vgl. die ersten beiden Fragen in Anlehnung an Chapell, Bryan: ESV Gospel Transformation Bible, Wheaton: Crossway Books and Bibles 2013 an einen Bibeltext helfen:

1. Wie zeigt sich hierin das Versagen (die Schuld) des Menschen?

2. Wie zeigt sich Gottes Liebe (Gnade)?

3. Inwiefern erfüllt sich diese Geschichte in Jesus Christus?

Ich bin überzeugt: Wenn wir in Bibelgeschichten nach Jesus als dem „eigentlichen Act“ suchen, anstatt uns mit der „Vorband“ zu begnügen, wird dies einen gewaltigen Unterschied in unserem Leben machen. Und in dem unserer Kinder.

Quellenangaben   [ + ]

1 vgl. die ersten beiden Fragen in Anlehnung an Chapell, Bryan: ESV Gospel Transformation Bible, Wheaton: Crossway Books and Bibles 2013

6 Antworten auf „Verlasse das Konzert nicht nach der Vorband!“

  1. Echt guter Beitrag! Vor allem liebe ich an der Bibel, dass sie uns Menschen vorstellt, die eben nicht perfekt sind. Durch ihre Lebensgeschichten und wie Gott sie für sein Werk auswählt und sie auch zubereitet, kann man erkennen, dass Gott nicht den Helden gebraucht, sondern oft den schwachen. Und alles dient zu seiner Herrlichkeit. Bibelbeginnern würde ich dennoch empfehlen, zuerst das Neue Testament zu lesen (darin kommt Jesus ja sehr deutlich vor) aber das Alte Testament ist genau so wichtig. In diesem können wir erkennen, dass wir als Menschen uns nicht ändern können und wir einen Retter brauchen! All diese Opfer sind heute nicht mehr notwendig, wir dürfen dank dem Opfer am Kreuz heute durch Glauben gerettet werden und dafür bin ich dankbar!

    1. Liebe Kristina,
      da stimme ich dir vollkommen zu: Die Bibel beschönigt nichts! Sie ist da ganz ehrlich: Die „Helden“ sind alle (außer Jesus natürlich) nur Menschen gewesen, die bei Weitem nicht alles richtig gemacht haben. Es geht, wie du schreibst, in allem um Gott. Er ist derjenige, der aus dem Wenigen viel macht. Er befähigt fehlerhafte Menschen, sein Königreich zu bauen. Wie schön, dass er sich entschieden hat, es genau so zu machen. Er könnte das alles ja auch alleine tun, aber indem er uns mitmachen lässt, vermehrt er hierdurch unsere Freude 🙂 Liebe Grüße

  2. Danke für diesen Beitrag! Das spricht mich auch an, weil ich öfters Kindergottesdienste vorbereite. Und manchmal denk ich dann genau das: Kenn ich doch alles schon… Dabei kann mich eine gute Vorbereitung auch selbst echt bereichern! Sehr hilfreiche Impulse… Liebe Grüße, Martha

    1. Liebe Martha, das sehe ich genauso: Es lohnt sich so, auch die altbekannten Texte nochmal genauer zu betrachten. Für sich persönlich, aber auch besonders für die Gestaltung von Kindergottesdiensten. Wie schade wäre es, wenn wir unseren Kindern nur die oberflächliche „Moral“ vermitteln würden, aber wie toll wäre es, wenn sie von klein auf an Jesus und seine Liebe in jeder Geschichte erkennen könnten. Ich freue mich, wenn dieser Artikel dich hierin ermutigt hat! Danke für deinen Kommentar 🙂

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