Ich brauche Hilfe!

Wochenlang herrschte bei uns als Familie der Ausnahmezustand. Warum? Gemeinsam mit unseren beiden Kleinkindern zogen mein Mann und ich von Hamburg nach Leipzig. Hierbei merkten wir ziemlich schnell, dass wir das ganze Unterfangen kaum alleine bewältigen konnten. Wir brauchten Hilfe! Gleichzeitig spürte ich einen inneren Widerwillen: Eigentlich möchte ich alles (oder zumindest vieles) gerne alleine schaffen. Doch die letzten Wochen haben mich gelehrt: Es ist eine wertvolle Erfahrung, um Hilfe zu bitten. Nicht glorreich, aber wichtig und gut.

Ich möchte niemandem zur Last fallen

Ich persönlich bitte andere nur ungern um Hilfe. Selbst dann, wenn ich diese wirklich nötig habe. Warum ist das so? Ich möchte den Menschen um mich herum nicht zur Last fallen. „Last“ klingt irgendwie nach „Ballast“ oder „Belastung“ und das will ich nun wirklich nicht sein. Äußerlich wirke ich dadurch vielleicht stark und unabhängig. Genauso muss die ideale Frau heutzutage schließlich sein, oder? Doch das, was hinter diesem scheinbaren Ideal steckt, ist meiner Meinung nach purer Stolz. Wie meine ich das?

Die Sache mit dem Stolz

Allein schon die Bitte um Hilfe verletzt irgendwie meinen Stolz und kratzt an meinem Ego. Sie offenbart, dass ich scheinbar nicht in der Lage bin, etwas alleine zu bewältigen. Stattdessen bin ich quasi bedürftig. Bedürftig! Oh Mann! Um diese demütigende Erkenntnis zu vermeiden, kann ich also versuchen, alles alleine auf die Reihe zu bekommen. Ich bitte nicht um Hilfe und lehne angebotene Hilfe kategorisch ab. Es könnte schließlich peinlich werden. Wie in meinem Fall: Vor unserem Umzug halfen mir einige Freundinnen beim Kistenpacken und drangen hierbei auch in unaufgeräumte Ecken vor. Die Gefühle, die hierdurch in mir ausgelöst wurden, würde ich kaum als berauschend beschreiben. Mein Stolz hatte einen Dämpfer bekommen.

Sollte ich Hilfsangebote also künftig doch lieber ablehnen? Ich denke nicht, weil hierdurch allen Beteiligten etwas entgehen würde.

Andere beschenken

Wie kann man einem Menschen Freude rauben? Indem man ihm nicht erlaubt, zu helfen. Indem man Hilfsangebote ablehnt. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass du jemandem etwas vorenthältst, wenn er dir nicht helfen darf? Ich glaube, dass beim Helfen auch immer der Helfende selbst beschenkt wird. Zumindest sofern er dies gerne tut. Wer hat uns bloß eingeredet, dass wir jemandem zur Last fallen, wenn wir ihn um Hilfe bitten?

Eine sehr gute Freundin verbrachte die erste Woche gemeinsam mit uns als Familie in unserer neuen Wohnung. Sie half uns sowohl beim Auspacken als auch im Haushalt und kümmerte sich um die Kinder. Wir sind ihr sehr dankbar für die großartige Hilfe. Für ihre geopferte Zeit. Am Ende dieser gemeinsamen Woche sagte diese Freundin uns, dass sie sich gefreut habe, uns zu helfen. Sie sei sehr dankbar für die Woche bei uns! Wow! Uns ging es ja genauso!
Wie schade wäre es gewesen, wenn wir ihre Hilfe nicht angenommen hätten. Wenn wir ihr Angebot ausgeschlagen hätten, um ihr bloß nicht zur Last zu fallen.

Geben ist seliger als Nehmen

Ich bin fest davon überzeugt, dass Jesus Recht hat wenn er sagt: „Geben ist seliger als Nehmen.“(Apostelgeschichte 20,35) Helfen ist nicht automatisch lästig, sondern kann tatsächlich Freude machen. Zudem können diese gemeinsamen „Hilfs-Erlebnisse“ Nähe schaffen zwischen dem Helfenden und dem Hilfesuchenden. Während beispielsweise meine Freundinnen gemeinsam mit mir Kisten packten, unterhielten wir uns nicht selten über Dinge, die uns bewegen. Die uns wichtig sind. Wir teilten das Leben und rückten näher zusammen. Indem wir lernen, Hilfe anzunehmen, überwinden wir unseren Stolz und fangen an, Masken abzulegen. Genau das ist es, was ich mir wünsche.

Wenn alles läuft

Die letzten Wochen haben mir also in besonderem Maße gezeigt, dass ich Hilfe brauche. Mittlerweile ist der Umzug geschafft und unser Alltag normalisiert sich wieder. Ich bin nicht mehr so hilfsbedürftig wie zuvor. Innerlich möchte ich nun erleichtert aufatmen, weil ich mein Leben wieder gut alleine auf die Reihe bekomme. Aber Moment mal: Stimmt das wirklich? Was wäre, wenn ich Hilfe brauche, die noch viel fundamentaler ist als Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder beim Kistenpacken?

Ich bin bedürftiger als ich denke

In der Bibel lese ich, dass ich mich in einem Konflikt mit meinem Schöpfer befinde, den ich selbst verschuldet habe. Gott hat mich und jeden von uns geschaffen, damit wir in Gemeinschaft mit ihm leben. In einer intakten Beziehung zu ihm. An jedem Tag. In jedem Augenblick. Wenn ich jedoch mein Leben ansehe, dann habe ich nicht nach ihm gesucht. Meine Beziehung zu ihm war kaputt. Nicht vorhanden. Ich wollte ihn nicht. (Näheres hierzu im Artikel Friede auf Erden!?)

Meine beschriebene „Ich-schaff-das-schon-Mentalität“ offenbart letztlich genau diesen Wunsch nach Unabhängigkeit. Ich möchte nicht nur unabhängig sein von meinen Mitmenschen, sondern erst recht von meinem Schöpfer. Stolz denke ich: „Ich brauche keine Hilfe! Von keinem Menschen und erst recht nicht von Gott!“ 

In Wirklichkeit brauche ich seine Hilfe aber dringender als ich mir eingestehen möchte. Selbst wenn ich mein Leben scheinbar auf die Reihe bekomme, gibt es doch diesen besagten Bereich, in dem ich nicht alleine klarkomme. So sehr ich mich auch anstrenge: Ich brauche jemanden, der die kaputte Beziehung zu meinem Schöpfer wiederherstellt. Der die Trennung überwindet und als Vermittler auftritt. Ohne einen solchen geht es nicht.

Es gibt Hilfe

Aber es gibt tatsächlich einen solchen Helfer: „Denn so [sehr] hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab [Jesus], damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16

Die Lösung meines größten Problems liegt also außerhalb von mir. Jesus ist genau diese Hilfe, die ich unbedingt brauche. Ich kann sie mir nicht verdienen, sondern darf sie einfach annehmen. „[…] Nehmt die Versöhnung an, die Gott euch anbietet!“ (2. Korinther 5,20Einfach, indem ich Jesus glaube.

In meinem Alltag möchte ich also immer mehr lernen, meine Mitmenschen um praktische Hilfe zu bitten, sofern ich diese brauche. Das mag oft demütigend sein, aber diese Bitten können mich an etwas Größeres erinnern. Daran, dass ich in Jesus einen perfekten Helfer habe. Dessen Hilfe noch bedeutender ist als jede menschliche nur sein kann. Ich war Gottes Feind, aber Jesus hat mich zu einem geliebten Kind Gottes gemacht. Diese Tatsache verändert alles.

Meine alltäglichen Bitten um Hilfe können so zu wertvollen Eselsbrücken werden, die mich an diese wichtige Wahrheit erinnern.

Zum Weiterdenken

  • Warum bittest du andere Menschen gern bzw. ungern um Hilfe?
  • Inwiefern siehst du Jesus als deinen Helfer?

 

An dieser Stelle möchte ich nochmal allen lieben Menschen, die uns in den Wochen des Ausnahmezustands unterstützt haben, von Herzen DANKE sagen. Ohne euch hätten wir das alles nicht geschafft. Ihr seid die Besten! Danke!

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