Hast du „Danke“ gesagt?

Diesen Satz hört meine Tochter ungefähr seit sie sprechen kann. Mehrmals am Tag frage ich sie, ob sie sich bedankt hat oder spreche alternativ das Wort „Danke!“ vor. Das Ganze habe ich fast ein Jahr lang gemacht, ohne sichtbaren Erfolg. Warum nur? Und was passierte nach diesem Jahr?

Mehr als nur „Danke“ sagen

Ich möchte meinen Kindern beibringen, „Danke“ zu sagen. Aber nicht bloß als leere Floskel. Mein Ziel hierbei ist nicht, sie zu äußerlich artigen Kindern zu erziehen. Ich wünsche mir vielmehr, dass sie Menschen werden, die wirklich dankbar sind. Doch um dankbar sein zu können, müssen sie zunächst erkennen, wofür sie danken können.

Bei unserem Bäcker beispielsweise bekommt jedes Kind immer ein kleines Milchbrötchen geschenkt. Meine Beiden wissen das mittlerweile. Da es das Milchbrötchen jedes Mal gibt, kann dies leicht zur Selbstverständlichkeit werden. Ein „Danke“ scheint daher vielleicht unnötig. Aber nur weil es das Brötchen immer gibt, ist diese Aufmerksamkeit nicht selbstverständlich. Diese Tatsache thematisiere ich ab und an mit meinen Kindern, wenn wir vom Bäcker nach Hause gehen. Und auch mein häufiges Fragen, ob sie „Danke“ gesagt haben, soll in erster Linie ihren Blick für das Gute in ihrem Leben schärfen.

Wir betrachten Gutes als selbstverständlich

Wenn ich jedoch ehrlich bin, brauchen nicht nur meine Kinder diesen geschärften Blick. Auch ich übersehe oft viele gute Dinge. Oder ich betrachte sie offensichtlich als selbstverständlich, denn andernfalls wäre ich doch viel dankbarer: Dankbar für meine Familie, Freunde, das Dach über meinem Kopf, die Ärzte, die ich im Krankheitsfall aufsuchen kann… Ich bin bemerkenswert selten dankbar! Das ist jedoch auch deshalb schade, weil mir dadurch sehr viel Freude entgeht.

Dankbarkeit vermehrt die Freude

Ich kenne Menschen, die viel besitzen oder denen auch insgesamt eine Menge Gutes im Leben widerfahren ist. Aber einigen von ihnen scheint dennoch die Freude zu fehlen. Sie haben alles und wirken trotzdem nicht glücklich. Wie passt das zusammen? Kann es sein, dass diese Menschen nicht wissen, wem sie all das Gute verdanken? Fehlt ihnen womöglich deshalb die Möglichkeit, ihren Dank auszudrücken? Und empfinden sie vielleicht infolgedessen auch nur wenig Freude über all das Schöne?

Der bekannte Schriftsteller C. S. Lewis erklärt den Zusammenhang von Dankbarkeit („Loben“) und Freude folgendermaßen: „Wir loben darum so gern, was uns Freude macht, weil das Lob unsere Freude mehrt, sie zu ihrer gottgewollten Erfüllung bringt.“ (C. S. Lewis) Wenn wir danken, wächst also unsere Freude. Aber sie wächst nicht nur, sondern erst mit dem Danken ist unsere Freude komplett. Dankbarkeit verändert uns. Wir werden fröhliche Menschen.

Gott beschenkt uns nicht nur mit viel Gutem, sondern insbesondere auch mit der Möglichkeit zu danken. Dank wiederum vermehrt unsere Freude über das Gute und komplettiert diese Freude. Demnach ist Gott der Erfinder der Freude.

Ich persönlich möchte gerne ein fröhlicher Mensch sein. Wie kann ich einer werden? „Sich freuen heißt, ausschauen nach Gelegenheiten zur Dankbarkeit.“ (Karl Barth) Wenn ich mir also mehr Freude in meinem Leben wünsche, sollte ich wohl nach mehr Möglichkeiten zum Danken suchen. Wie oben beschrieben fallen mir in meinem Alltag wohl einige Dinge ein (Familie, Freunde…).

Dankbar für das größte Geschenk

Es mag jedoch auch Tage geben, an denen es mir schwer fällt, Gründe zur Dankbarkeit zu finden. Eine Sache aber steht fest und bleibt: Durch Jesu Tod am Kreuz darf ich Gottes Kind sein. Seine Liebe zu mir ist bedingungslos. Ganz unverdient und einfach geschenkt! Ich habe also immer mindestens einen Grund, dankbar zu sein. (Was genau der Tod von Jesus mit mir zu tun hat, habe ich im Artikel Komm jetzt, sonst geh ich näher erklärt.)

Dankbar für alles?!

In der Bibel findet sich ein bemerkenswerter Vers. Gottes Kinder können in jeder Situation dankbar sein: „Dankt Gott in jeder Lage! Das ist es, was er [Gott] von euch will und was er euch durch Jesus Christus möglich gemacht hat.“ (1. Thessalonicher 5,18)

Wie ist es möglich, auch inmitten von schwierigen Umständen dankbar zu sein? „[…] durch Jesus Christus“. Er ist die Hoffnung für dieses Leben und erst recht für jenes nach dem Tod. Er ist größer als unsere Nöte. Er ist bei uns und geht mit uns durch schwere Zeiten. Er ist das größte Geschenk!

Zusätzlich dürfen Gottes Kinder aber noch etwas Erstaunliches wissen: „Alles trägt zum Besten derer bei, die Gott lieben.“ (Römer 8,28) Gott geht nicht nur mit uns durch schwere Zeiten, sondern gleichzeitig benutzt er alles in unserem Leben zu unserem Besten. Also auch Schlechtes! Dieses Vertrauen in Gottes gute Pläne wünsche ich mir immer mehr in meinem Alltag. Denn in diesem Bewusstsein kann ich auch in schweren Zeiten dankbar sein und gar für die Schwierigkeiten selbst. Auch, wenn ich ihren Sinn noch nicht erkennen kann.

Dankbarkeit üben

Ich möchte ein fröhlicher Mensch werden und mich daher in Dankbarkeit üben. Aber wie?

  • Ich möchte Gott bitten, mir zu helfen, dankbarer zu werden.
  • Wenn mir jemand eine Freundlichkeit erweist, möchte ich dies nicht als selbstverständlich sehen. Stattdessen will ich gerne der jeweiligen Person aufrichtig danken und ebenso meinem Gott, der mir diese geschickt hat.
  • Forschungen zeigen, dass eine neue Gewohnheit etwa 30 Tage am Stück trainiert werden muss, um sich dauerhaft zu etablieren. Wie wäre es, wenn ich mir 30 Tage lang jeden Tag eine Sache notiere, für die ich dankbar bin? Ein entsprechender Plan von livestrong.com kann hier heruntergeladen werden.

Was passierte nach einem Jahr?

Ungefähr ein Jahr lang hatte ich bei meiner Tochter das Gefühl, dass all mein „Hast du Danke gesagt?“ erfolglos ist. Zwar bedankte sie sich ab und an, aber eben nur nach Aufforderung. Doch ein Jahr später passierte es: Mein Kind bedankt sich plötzlich von ganz alleine! Ohne dass ich was sagen muss. Wenn jemand ihr die Schnürsenkel bindet, wenn ich ihr das Trinken reiche oder jemand ihr eine Süßigkeit schenkt.

Sie bedankt sich natürlich nicht immer. Und selbst wenn sie es täte, weiß ich, dass dies sie nicht zu einem besseren Menschen macht. Ich weiß nicht, ob sie tatsächlich dankbar ist oder lediglich „Danke“ sagt. Aber ich freue mich, dass sie anfängt, Gutes in ihrem Leben zu erkennen. Hier will ich anknüpfen. Ich möchte ihr erklären, von wem diese Dinge kommen und sie immer mehr auf Gott selbst hinweisen. Auf das größte Geschenk. Auf den Erfinder der Freude.

Eine Anmerkung zum Schluss: Ich danke ganz herzlich meinem Schwager André für seine sehr kompetente inhaltliche Beratung zu diesem Thema! Merci! 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.