Gemeinsam ist es selten langweilig

Eine Ermutigung zu Geschwisterkindern

Ich komme gerade zurück von einem Treffen mit einer lieben Bekannten, die ich lange nicht gesehen habe. In der Zwischenzeit hat sie ihr zweites Kind bekommen und ich habe mich sehr darüber gefreut. Zum einen einfach, weil ich mich immer über die Ankunft eines neuen Erdenbürgers freue. Zum anderen aber vor allem deshalb, weil sie mir früher mal gesagt hatte, dass sie und ihr Partner mit einem Kind zufrieden seien. Weiteren Nachwuchs wünschten sie sich damals eigentlich nicht.

Heute ist meine Bekannte sehr glücklich mit ihren beiden Kleinen. Sie und ihr Partner sind froh, dass sie doch ein weiteres Kind bekommen haben. Voll Freude beobachtet sie nun, wie die beiden Geschwister immer mehr Interesse füreinander entwickeln und wie sich das gemeinsame Spiel allmählich anbahnt.
Diese Freude kann ich absolut nachempfinden, denn auch für mich ist es ein großes Privileg, zwei Kinder und somit Geschwister zuhause zu haben!

Warum mehr als ein Kind?

Meine beiden Kinder sind aktuell zwar erst zwei und ein Jahr alt, aber ich kann mir ein Leben mit nur einem Kind fast nicht mehr vorstellen. Die Zeit, die Ella als Einzelkind verbracht hat, war auch nicht besonders lang. Ihr Bruder Jesse wurde geboren als sie knapp 18 Monate alt war. Gelegentlich frage ich mich, was für ein Kind Ella heute wohl wäre, wenn sie weiterhin Einzelkind geblieben wäre. Wie hätte sich unsere ungeteilte Aufmerksamkeit über längere Zeit auf sie ausgewirkt?

Natürlich war besonders die Anfangszeit mit zwei so kleinen Kindern herausfordernd und ist es auch noch. Phasenweise mal mehr, mal weniger. So hat Ella beispielsweise kurz nach Jesses Geburt keinen Mittagsschlaf mehr gemacht. Ich hatte nun plötzlich neben einem Baby, das mehrmals in der Nacht wach war, auch noch ein Kleinkind, das von morgens bis abends ununterbrochen meine Aufmerksamkeit wollte. An ein gelegentliches Mittagsschläfchen war also nicht zu denken. Dementsprechend dunkel waren zeitweise meine Augenringe und die meines Mannes.

Was ich damit sagen will: Die Umstellung von einem auf zwei Kinder war eine große Bereicherung für uns, aber auch eine echte Herausforderung! (Andere Mamis von zwei Kindern oder mehr könnten hier sicher noch einiges Weitere berichten…) So mussten wir insbesondere mit wenig Schlaf umgehen lernen und damit, plötzlich unsere elterliche Aufmerksamkeit zu teilen. Die Wäscheberge bei uns zuhause sind auch um einiges gewachsen und unsere Wohnung wird wohl nie wieder komplett aufgeräumt sein.

Aber dennoch gibt es in meinen Augen so viele positive Seiten daran, Geschwisterkinder zu haben! Hier eine Auswahl:

Gemeinsames Spiel

Gemeinsam in Waschmaschine

Auch wenn meine beiden Kleinen sich ziemlich gut streiten können, spielen sie doch allmählich wirklich gerne miteinander. Sie suchen sich zwar nicht immer Beschäftigungen, die ich ihnen vorgeschlagen hätte, sind dabei aber durchaus kreativ. Mittlerweile werde ich immer häufiger zur Statistin. So übernimmt Ella z. B. das „Vorlesen“ oder animiert Jesse, gemeinsam in den imaginären Zoo zu gehen und die Tiere zu füttern. Gemeinsam wird es selten langweilig.

Teilen lernen

Ein großer Lernaspekt mit Geschwistern ist sicherlich, das Teilen zu lernen: Plötzlich muss man die Aufmerksamkeit von Mama und Papa teilen oder die Zeit, die sie am Tag zur Verfügung haben. Eine Bekannte gab mir vor Jesses Geburt den guten Tipp, mit Ella schonmal gezielt das Warten zu üben. Das war wirklich hilfreich, denn nach der Geburt des Bruders musste Ella plötzlich ständig warten: warten bis das Baby getrunken hatte, warten bis es gewickelt, bis es umgezogen war usw. Meine Zeit für die Kinder hatte sich durch die Ankunft des Geschwisterchens ja nicht urplötzlich vermehrt. Sie war immer noch dieselbe wie vorher.

Einige Mütter, die zum zweiten Mal schwanger waren, erzählten mir übrigens von einer Befürchtung. Sie hätten Angst, dass sie ihr zweites Kind nicht mit der gleichen Liebe lieben könnten wie das erste. Hier würde ich mich jedoch nicht sorgen: Dass Geschwister die Liebe ihrer Eltern teilen müssen, würde ich persönlich nicht befürchten. Ich habe es anders erlebt und viele meiner Freundinnen mit Kindern ebenso. Die elterliche Liebe scheint viel eher pro Kind zuzunehmen. Anders als die Zeit.

Teilen muss man unter Geschwistern aber zwangsläufig auch das geliebte Spielzeug. In dem Blogpost „Wer hatte die Schaufel zuerst?“ kannst du mehr zum Thema „Teilen“ lesen.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass Teilen zwar schwer, aber wichtig zu lernen ist. Insbesondere das Teilen der elterlichen Aufmerksamkeit und der Zeit kann dabei helfen, schon früh einen Blick für das Wohl des anderen zu entwickeln.

Gemeinsame Erfahrungen für das ganze Leben

Geschwister teilen aber nicht nur die oben genannten Dinge. Sie erleben auch viel gemeinsam und machen gleiche oder ähnliche Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend.

Hierzu zählen beispielsweise gemeinsame Unternehmungen wie Übernachtungen bei den Großeltern, Urlaube oder besondere Ausflüge. Aber auch die Umstände, in denen eine Familie lebt, werden geteilt, z. B.  In welchem Umfeld lebt die Familie? Wer teilt sich mit wem ein Zimmer? Wie viel Geld hat die Familie? Wie ist die Beziehung der Eltern? Wie verstehen sich die Kinder?

All diese Erfahrungen machen Geschwister gemeinsam. Sie können sie ein Leben lang verbinden.

Gemeinsames Altwerden

Ich glaube, oftmals vergessen wir, dass Geschwister ein Schatz fürs Leben sind. Unsere Kinder machen gemeinsame Erfahrungen im Hier und Jetzt. Aber insbesondere auch in der Zukunft können sie sich z. B. die Fürsorge für ihre älter werdenden Eltern teilen.

Eine wichtige Anmerkung

Abschließend noch eine kleine Anmerkung: Ich will mit meinem Beitrag niemanden verurteilen und auch niemandem vorschreiben, wie viele Kinder sie oder er haben sollte.

Stattdessen möchte ich hiermit lediglich schildern, wie schön ich es finde, dass meine Kinder als Geschwister aufwachsen. Immer wieder habe ich nämlich das Gefühl, dass Kinder heutzutage als Last angesehen werden. Sie halten uns von vielen Dingen ab, die wir ja so gerne täten. Wenn dies auch manchmal stimmen mag, würde ich meine Kinder aber niemals  eintauschen wollen. Mein Text soll daher einen Akzent für Kinder setzen. Vielleicht macht dies dem einen oder anderen Mut, über (weitere) Kinder nachzudenken. 

Ich weiß aber gleichzeitig, dass ich hier ein heikles Thema anspreche: Die Familienplanung ist ein Thema, welches jedes Paar und jede Familie individuell miteinander ausmachen muss.

Manche Paare können vielleicht keine Kinder bekommen oder nicht mehr als eins. Oder aber ein Single liest dies hier und denkt sich: „Ich hätte ja gerne Kinder. Ohne Partner ist das jedoch schwierig.“
Dieser Tatsachen bin ich mir beim Schreiben bewusst und ich danke euch, dass ihr bis hierhin gelesen habt! Vielleicht ermutigt euch mein Beitrag aber trotzdem, beispielsweise dazu, die Beziehung zu euren Geschwistern oder Eltern zu vertiefen. Das würde mich freuen.

Kinder sind Geschenke

Letztlich kann sich niemand dafür auf die Schulter klopfen, dass er oder sie Kinder hat. Kinder sind keine Trophäen, mit denen wir uns schmücken sollten. Ob wir Kinder haben oder nicht definiert letztlich nicht, wer wir sind. Kinder oder Kinderlosigkeit machen uns weder zu besseren Menschen noch zu schlechteren.
Die Bibel sagt stattdessen ganz klar, dass sie Geschenke Gottes sind:

„Kinder sind eine Gabe des Herrn, ja, Fruchtbarkeit ist ein großes Geschenk!“ (Psalm 127,3)

Wenn Gott uns Kinder anvertraut, dürfen und sollen wir bestmöglich für sie sorgen. Wie viele es auch sein mögen. Dafür bin ich ihm dankbar.

 

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