Gedanken zum Beten

Als Kinder sprachen wir wenige Worte. Einfache Sätze.
Sie gaben uns Frieden am Abend.
Wir glaubten ganz einfach, dass jemand uns hört.
Dass einer da ist und über uns wacht.
Dass die Gebete nicht leer verhallen
und ruhig gingen wir schlafen.

Doch die auswendig gelernten Phrasen
vergaßen wir irgendwann.
Legten sie ab. Taten sie ab.
Denn irgendwann mitten im Trubel des Lebens
hatte das Leben uns eingeholt,
war der kindliche Glaube überholt,
meinten wir, und ließen ihn hinter uns.
Nimm die Dinge selbst in die Hand!
Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!

Wenn wir es aber doch mal probierten,
probierten wir, Worte zu finden. Oft vergeblich.
Sie kamen uns kaum über die Lippen
und wenn sie denn kamen,
kamen die Zweifel und fingen sie ein.
Zweifel, dass Worte weiter gehen
als unsere eigenen Augen sehn.

Aber: Was wenn es doch einen gibt, der hört?
Was, wenn er nicht limitiert ist durch Decken und Wände,
wir uns vielmehr selbst beschränken, weil wir denken,
es gebe ihn nicht?
Was, wenn unser Leben am Limit uns selbst limitiert,
indem es uns den Blick für das Unsichtbare versperrt?

Und ganz nebenbei verpassen wir das wahre Leben,
weil wir immer noch glauben,
wir könnten die Dinge alleine regeln,
wir müssten uns selber helfen, sonst helfe uns keiner.

Aber irgendwann erschien der eine,
der allein uns helfen kann.
Er kam uns nah und war uns doch fremd.
Er war so anders als wir.
Auch wie man beten kann, zeigte er uns.

Irgendwann gab er dann alles auf.
Er ging ans Limit und liebte uns. Ohne Limit.
Denn sie ist wirklich nicht imaginär, die Trennung, die wir so oft erahnten.
Etwas steht zwischen uns Menschen und Gott,
doch genau dafür war er gekommen.
Gott, der Vater, hat Jesus verlassen, damit wir nie verlassen sind.
Ohne Antwort blieb sein Ruf, damit unsre Gebete eine erhalten.
Wie sollten wir es da nicht wagen?

Als Kinder sprachen wir wenige Worte. Einfache Sätze.
Sie gaben uns Frieden am Abend.
Doch waren es wirklich nur die Worte,
die uns so ruhige Nächte schenkten?
Oder war’s vielmehr der kindliche Glaube?
Der Glaube, dass einer über uns wacht?

Heute dürfen wir neu entdecken:
Beten ist Reden mit einer Person.
Einfache Worte, auch schwere Worte,
kurze Sätze, auch lange Sätze.
Beten heißt, einfach sein Herz ausschütten,
endlich mal echt sein, ganz ehrlich sein.
Beten heißt einfach, den Einen treffen, der auf uns wartet.
Und das schon so lange.

Zweifelst du noch oder betest du schon?

Gott sagt: „Wenn du keinen Ausweg mehr siehst, dann rufe mich zu Hilfe! Ich will dich retten, und du sollst mich preisen.“ (Psalm 50,15)

„Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn  hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben.“ (Johannes 3,16)

Jesus erklärt in der Bibel, wie wir beten sollen:
„Unser Vater im Himmel!
Dein heiliger Name soll geehrt werden. 
Lass dein Reich kommen.
Dein Wille geschehe hier auf der Erde, so wie er im Himmel geschieht. 
Gib uns auch heute, was wir zum Leben brauchen, 
und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind. 
Lass uns nicht in Versuchung geraten, dir untreu zu werden,
sondern befreie uns von dem Bösen.“ (Matthäus 6,9-13)

2 Replies to “Gedanken zum Beten”

  1. Ich werde heute deine poetischen Zeilen😊 im Gebetskreis vorlesen. Sie erklären so schön was beten bedeutet und ich möchte dir nochmal danken für den Dienst, den du mit diesem Blog tust 🙏

    1. Hallo Mirjam,
      wie schön, dass dich mein Text zum Beten anspricht und du ihn gestern bei eurem Treffen vorgelesen hast! Danke dafür und dass du mir das hier geschrieben hast. 🙂 Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Abend.
      Liebste Grüße, Natalie

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