Friede auf Erden!?

Er kommt, der „Friedefürst“

Wer schon einmal in einem Heiligabendgottesdienst war, kennt sie vermutlich. Die berühmte Weihnachtsszene auf einer Wiese vor den Toren Betlehems: Einige Hirten befinden sich mit ihren Schafen dort. Plötzlich erscheint ein Engel, der ihnen von der Geburt Jesu berichtet und mit ihm ein Heer unzähliger weiterer Engel. Sie alle verkünden einstimmig: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Lukas 2,14) Aber Moment mal: Friede auf Erden? Wieso soll die Geburt von Jesus Frieden bringen? Wenn man das aktuelle Weltgeschehen betrachtet, sieht da gar nichts friedlich aus. Haben die Engel sich geirrt? 

Ich persönlich bin sehr dankbar für den Frieden, den wir aktuell in Deutschland genießen dürfen. Leider sieht das in vielen Teilen dieser Welt anders aus. Jesus sagt jedoch selbst, dass er nicht für diese Art des Friedens gekommen ist (vgl. Lukas 10,51).

Welchen Frieden meint Jesus?

Stattdessen kam er in erster Linie für den Frieden mit Gott (vgl. Römer 5,1). Dies wiederum muss bedeuten, dass zwischen uns Menschen und Gott kein Friede, sondern Feindschaft herrscht. Aber ist Feindschaft nicht ein ziemlich hartes Wort? Für viele von uns spielt Gott im Alltag keine große Rolle. Sollte man daher nicht eher sagen, dass unsere Beziehung zu ihm durch Gleichgültigkeit gekennzeichnet ist?

Was Gleichgültigkeit mit Feindschaft zu tun hat

In welchem Fall Gleichgültigkeit Feindschaft ist, erklärt Matthias Voigt anhand eines Beispiels in einer Predigt, welches ich hier aufgreife:
Es könnte in Buxtehude einen Andreas Müller geben. Aber falls er existiert, ist er mir egal. Meine Gleichgültigkeit ihm gegenüber ist in diesem Fall in Ordnung. Ich kann ruhigen Gewissens weiterleben, eventuell parallel zu einem Andreas Müller in Buxtehude. Ganz anders sähe es aber aus, wenn mir ab morgen gleichgültig wäre, wie es meinem Mann und meinen Kindern geht. Jeder würde zustimmen, dass meine Gleichgültigkeit in diesem Fall gar nicht okay wäre. Sie wäre lieblos und feindlich.

Ob Gleichgültigkeit also gleichbedeutend ist mit Feindschaft, hängt von der Beziehung der Beteiligten zueinander ab.

Gott sagt von sich, dass er jeden Menschen gewollt und individuell geschaffen hat. Er hat uns gemacht, damit wir mit ihm und für ihn leben. Demnach existieren wir nicht parallel zu ihm wie zu einem eventuellen Andreas Müller. Gott ist unser Schöpfer und somit besteht bereits eine Beziehung zu ihm. Hierin liegt also die Erklärung dafür, dass wir Gottes Feinde sind, selbst wenn er uns doch „nur“ gleichgültig ist.

Auch mein eigenes Bemühen kann Feindschaft bedeuten

Seitdem ich Christ bin, ist Gott mir nicht mehr gleichgültig. Stattdessen will ich ihm gefallen, ähnlich wie ich auch meinem Mann gefallen möchte. Hierbei kann aber Folgendes passieren: In meinem Eifer, meinem Mann eine „gute“ Ehefrau zu sein, suche ich in unterschiedlichen Internetforen und Frauenzeitschriften nach entsprechenden Infos. Zudem frage ich meine Freundinnen um Rat. Allmählich entwickle ich hierdurch eine Vorstellung von der idealen Frau. Ganz euphorisch mache ich mich nun daran, möglichst viele dieser Ideen umzusetzen und verändere beispielsweise mein Äußeres dementsprechend. Ich jage dem Ideal der perfekten Frau hinterher. Oder dem, was ich für das Ideal halte.

Doch als ich meinem Mann mein neues Ich präsentiere, ist er entgegen meiner Erwartung gar nicht begeistert. Was ist passiert? In meinem Eifer, meinem Mann eine tolle Ehefrau sein zu wollen, habe ich vergessen, ihn nach seinem Geschmack zu fragen! Stattdessen habe ich meine Ideen hierzu entwickelt und umgesetzt. So dachte ich vielleicht, ich müsse häufiger High Heels tragen. Hätte ich jedoch meinen Mann gefragt, hätte er mir mitgeteilt, dass er an mir lieber Turnschuhe mag.

Ganz ähnlich kann es uns mit Gott ergehen. Wir möchten ihm gefallen und versuchen dies auf verschiedene Arten: mit regelmäßigen Gottesdienstbesuchen, ehrenamtlichem Engagement oder sonstigen Bemühungen, ein „guter Mensch“ zu sein. Aber würden wir Gott nach seiner Meinung fragen, merkten wir, dass all diese Versuche erfolglos sind, weil sie nicht seinen „Geschmack“ treffen. Schlimmer noch: Unser Ignorieren seiner Meinung kommt Feindschaft gleich.

Jesus ist der „Friedefürst“

Die Bibel lässt uns jedoch nicht im Unklaren darüber, was Gott gefällt: „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen […].“ (Hebräer 11,6) Auf den Glauben kommt es an! Das bedeutet im Umkehrschluss: Keine meiner Anstrengungen können mich in Gottes Augen zu einem „guten“ Menschen machen. Im Gegenteil. Meine Versuche, ihm aufgrund meiner Taten zu gefallen, sind feindlich. Denn sie ignorieren Gottes Vorstellungen. Den Frieden mit ihm kann ich mir nicht erarbeiten. Stattdessen möchte Gott ihn mir schenken, indem er Jesus schickt. Ihn interessiert nur, ob ich an diesen Jesus glaube. Daran, dass er mir als einziger den Frieden mit Gott schenken kann: „Nachdem wir nun aufgrund des Glaubens [an Jesus] für gerecht erklärt worden sind, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ (Römer 5,1)

In der Bibel wird Jesus daher auch als der „Friedefürst“ (Jesaja 9,5) bezeichnet. Der Friede mit Gott ist das, wofür er kam.

Was bedeutet das praktisch für mich?

  • An manchen Tagen ist das Leben leicht: Die Kinder spielen zufrieden und gut miteinander. Ich kann vieles erledigen und wir kommen pünktlich zu Verabredungen. Alles läuft prima. Ich bin eine gute Mutter. Gott muss zufrieden mit mir sein. Doch dann kommt der nächste Tag und alles sieht anders aus: Die Nacht war kurz, ich bin gereizt und das überträgt sich auf alle um mich herum. Die Kinder streiten, aber anstatt zu schlichten, bin ich selbst wenig liebevoll. Die Stimmung ist schlecht, den Haushalt habe ich auch nicht geschafft. Ich bin eine ziemliche Versagerin. Was denkt Gott wohl über mich?
    Diese Achterbahnfahrt der Gefühle zeigt letztlich, dass ich meinen Frieden mit Gott von meinen Taten abhängig mache: War ich heute eine gute Mutter, mag Gott mich. Habe ich versagt, ist er enttäuscht. Hier darf ich mich aber erinnern, dass Gott andere Maßstäbe anlegt: Nicht meine Taten entscheiden darüber, wie er mich sieht, sondern allein der Glaube zählt. Ich muss mir den Frieden mit ihm, seine Liebe zu mir, nicht erarbeiten. Wie gut! Denn dass ich das nicht schaffe, merke ich besonders an den schlechten Tagen. Durch dieses Wissen wird mir im Alltag eine große Last abgenommen. Jesus trägt sie für mich (vgl. Matthäus 11,28-29).
  • Manchmal fühlt es sich an, als ob mein Leben aus den Fugen gerät. Dinge, Menschen oder Umstände verändern sich und ich weiß nicht, wie alles weitergehen soll. Welche Absichten Gott damit verfolgt. Doch ich durfte und darf  immer wieder erleben, dass es einen Frieden gibt, der auch schwierigsten Umständen trotzt. Bei Gott darf ich alle meine Sorgen abladen und erleben, wie er mir einen Frieden schenkt, der objektiv betrachtet unlogisch ist. Eine Ruhe im Sturm gewissermaßen. (vgl. Philipper 4,6-7) Gott ist in der Lage, seinen Kindern inmitten von turbulenten Zeiten echten Frieden zu schenken. Jesus selbst bringt uns diesen Frieden!
    Das darf auch meine Freundin Sarah aktuell erleben. Wie sie inmitten einer herausfordernden Phase ihres Lebens Frieden in Gott findet, beschreibt sie in ihrem aktuellen Blogpost zum Advent.

 

 

 

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