Braucht mein Kind eine perfekte Mutter?

Ich tendiere dazu, mir viele Gedanken über die „richtige“ Erziehung zu machen. Was ich dabei aber häufig vergesse ist, dass wir unsere Kinder wohl am meisten durch unser Vorbild erziehen. Mein Leben spricht eine deutlichere Sprache als meine Worte. Aber wie gehe ich mit dieser immensen Verantwortung um? Muss ich eine perfekte Mutter sein? Oder ist eine „perfekte“ Mutter vielleicht sogar eine Gefahr fürs Kind?

Kinder sind Beobachter

Sie beobachten mich von morgens bis abends. Manchmal auch nachts. Meine Kinder sind meine Zuschauer. Sie sind Zeugen meiner freudigen Momente („Juhu, wir haben einen Parkplatz gefunden!“) und erleben hautnah meine Enttäuschungen („Papa ist leider krank. Wir müssen allein zur Geburtstagsfeier fahren.“).  Da meine Kinder mich fast rund um die Uhr erleben, wissen sie, dass ich nicht perfekt bin.

Ich bin keine perfekte Mutter

Aktuell ist beispielsweise das abendliche ins Bett bringen der Kinder häufig sehr herausfordernd für uns alle: Die Kleinen sind oft sehr müde und haben zugleich wenig Lust, sich umziehen zu lassen. Manchmal wollen sie nicht schlafen oder haben spezielle Vorstellungen diesbezüglich … Nicht selten sind mein Mann und ich irgendwann mit unserer Geduld am Ende. Dann sagen wir Sätze, die wir eigentlich nicht sagen wollten oder wählen einen Ton, der wenig liebevoll ist. Wir sind unseren Kindern häufig leider nicht das Vorbild, das wir gerne wären. Wir sind nicht perfekt. Aufbrausend statt geduldig. Genervt statt liebevoll. Geht es dir manchmal auch so? Aber wie gehen wir vor unseren Kindern mit unseren eigenen Fehlern um?

Ich kaschiere meine Fehler

Oft versuche ich in solchen Momenten, mein Verhalten zu erklären oder zu entschuldigen, z. B. „Ich hatte einen anstrengenden Tag und bin jetzt einfach mit meiner Geduld am Ende!“ oder „Das ist mir nur deshalb rausgerutscht, weil du dich nicht umziehen lässt!“ Natürlich gibt es oft eine „Erklärung“ für mein Verhalten. Aber ist diese zugleich auch eine Entschuldigung? Sind wirklich meine Kinder Schuld an meiner Ungeduld? Oder hat sie nicht vielmehr schon die ganze Zeit in mir geschlummert?

Wenn ich ehrlich bin, gebe ich ungern Fehler zu. Deshalb versuche ich nicht selten, mein falsches Verhalten zu entschuldigen oder zu kaschieren. Frei nach dem Motto: „Tu so, als seist du perfekt. Vielleicht merken die anderen nicht, dass du es nicht bist.“ Und während ich regelmäßig meine Fehler kleinrede, entschuldige und kaschiere, werde ich allmählich immer selbstgerechter. Immer überzeugter von meiner inszenierten „Perfektheit“. Und irgendwann denke ich dann vielleicht: „So unperfekt bin ich eigentlich gar nicht…“ Hattest du auch schon einmal solche Gedanken? Wie wirkt sich so ein Verhalten und Denken auf meine Kinder aus?

Selbstgerechtigkeit färbt ab

Ich glaube, dass unsere Kinder diese selbstgerechte Haltung nur zu schnell übernehmen werden. Wir Menschen sind einfach so veranlagt, dass wir unsere Fehler verdecken wollen, oder? Dass wir vor anderen gerne besser dastehen als wir eigentlich sind. Wenn ich als Mutter also beispielsweise ständig mein falsches Verhalten auf meine Umstände zurückführe, muss ich mich nicht wundern, wenn meine Kinder mir dies irgendwann gleichtun. Wenn ich meine Fehler nie anspreche, sondern sie unter den Teppich kehre, werden meine Kinder irgendwann dasselbe tun. Mich würde es nicht wundern, wenn wir dann gemeinsam immer selbstgerechtere und stolze Menschen werden, die sich selbst für nahezu perfekt halten. Und wenn wir doch mal etwas falsch gemacht haben, dann ja nur, weil jemand anderes uns dazu verleitet hat. Im Prinzip war es also nicht in erster Linie unser Fehler. Aber mal ganz ehrlich: Möchten wir in so einer Gesellschaft leben? Wünschen wir uns solche selbstgerechten Kollegen? Möchten wir selbst so ein Mensch sein?

Selbstgerechtigkeit schreckt ab

Ich bin überzeugt, dass selbstgerechte Menschen all jene abschrecken, die sich ihrer eigenen Fehler bewusst sind. Für meine Kinder wünsche ich mir jedoch, dass sie mit ihren Problemen zu mir kommen. Dass sie mir ihr Herz ausschütten in dem Wissen, dass ich sie nicht verurteile, weil ich nur zu gut um meine eigenen Fehler weiß. Auch wenn sie etwas falsch gemacht haben, sollen sie sich meiner Liebe für sie bewusst sein. Ich möchte meine Kinder nicht durch Perfektion abstoßen, sondern für sie da sein. Sie lieben. In jeder Situation.

Meine Kinder brauchen keine „perfekte“ Mutter

Da ich definitiv nicht perfekt bin, möchte ich aufhören, so zu tun als sei ich es. Meine Kinder brauchen keine Mutter, die sich selbst für „perfekt“ hält. Ganz im Gegenteil. Was sie brauchen ist eine Mutter, die um ihre Fehler weiß und produktiv mit ihnen umgeht. Die ihr Versagen nicht kaschiert, verdeckt oder unter den Teppich kehrt, sondern es anspricht und aufrichtig um Verzeihung bittet. Wenn mein Mann und ich unseren Kindern gegenüber laut geworden sind, möchten wir ihnen anschließend erklären, dass unser Verhalten nicht angemessen war. Sie sollen wissen, dass auch wir als Eltern nicht perfekt sind. Und dass wir uns auch nicht hierfür halten.

Kinder brauchen authentische Eltern

Kinder lernen am meisten durch Vorbilder. Ich wünsche mir sehr, ihnen ein gutes Beispiel zu sein: liebevoll, geduldig, langsam zum Zorn und vieles mehr. Ich möchte gerne perfekt sein. So wie Jesus. Gleichzeitig stelle ich jedoch fest, dass mir dies in vielen Situationen leider nicht gelingt. Doch es gibt eine so großartige Nachricht: Jesus lebte wirklich perfekt und starb am Kreuz, wodurch Vergebung möglich ist. Es gibt Hoffnung für uns! Wenn wir unser Versagen erkannt haben, dürfen wir Jesus aufrichtig um Verzeihung bitten und glauben, dass er uns vergibt. Wir sind nicht perfekt, aber es gibt einen, der es tatsächlich ist: Jesus schenkt dem, der ihm glaubt, sein perfektes Leben.

Anstatt meinen Kindern also vorzugaukeln, ich sei „perfekt“, möchte ich ihnen ein Vorbild sein in meiner Abhängigkeit von Jesus. Genau wie meine Kinder brauche ich ihn. Jeden Tag. Da es die „perfekte“ Mutter nicht gibt, möchte ich also viel lieber authentisch sein. Unsere Kinder sollen nicht in erster Linie nach Perfektion streben, sondern nach dem Einen, der die Perfektion in Person ist. Jesus.

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erweist sich Gott als treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen. Doch wenn wir behaupten, wir hätten gar nicht gesündigt, dann machen wir Gott zum Lügner und zeigen damit nur, dass seine Botschaft in uns keinen Raum hat.“ (1. Johannes 1,9-10)

Zum Nachdenken

  • Wie gehst du deinen Kindern gegenüber mit eigenen Fehlern um?
  • Möchtest du „perfekt“ erscheinen oder authentisch leben?

3 Antworten auf „Braucht mein Kind eine perfekte Mutter?“

  1. Liebe Natalie, du sprichst ein echt wichtges Thema an. Fehler einzugestehen, offen und ehrlich zu sein bringt immer Segen, stärkt Beziehungen und zeigt Stärke. Das ist das beste Vorbild. Liebe Grüße, Jojo

    1. Liebe Jojo,
      schön, deine Worte zu lesen. Dann scheinst du das ganze Thema in deinem Alltag ähnlich zu handhaben…?! Ich denke ebenfalls, dass sich diese Offenheit förderlich auf unsere Beziehungen innerhalb der Familie auswirkt.
      Liebe Grüße, Natalie

      1. Liebe Natalie, (endlich komme ich zum Antworten, hatte schon drei Anläufe…) ja, ich habe das meiste zu diesem Thema durch unsere besondere Tochter gelernt (und durch Konflikte in Gemeinden). Ein behindertes Kind zu haben hat meinen Perfektionismus gründlich auf den Prüfstand gestellt und mir eine ganz neue befreiende Sichtweise geschenkt. Ich gehe ganz anders mit den Erwartungen, die ich an mich und an andere habe um und habe auch ein anderes Bild bekommen wie Gott uns sieht, VollkommenBesonders eben 🙂 , manches davon habe ich in dem Text über meinen Blognamen geschrieben. Ganz liebe Grüße, Jojo

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