Auszeit zu zweit

Wie können wir als Paar unsere Beziehung pflegen?

Er hat mich total überrascht. Ich würde sogar sagen: vom Hocker gehauen. Zu Weihnachten hat mein Mann mir ein Wochenende im Harz geschenkt. Ohne Kinder. Nur wir zwei. Eine Auszeit vom normalen Familienalltag, die wir so eigentlich noch nie hatten. Warum ich solch ein Unterfangen so oder so ähnlich unbedingt empfehle.

Aus einem Paar werden Eltern

Seit mittlerweile zehn Jahren sind Jonathan und ich verheiratet. Drei Jahre davon sind wir zudem Eltern. Wir haben zwei lebhafte Kleinkinder, die uns ordentlich auf Trab halten. Andere Eltern können sicherlich bestätigen, dass ein Baby vieles verändert. Unter anderem die Partnerschaft. Aus einem Paar werden quasi über Nacht Eltern und vieles dreht sich nun um den Nachwuchs. Mein Mann und ich empfinden es als eine große Herausforderung, zwischen all den Windeln, schlaflosen Nächten und oft anstrengenden Tagen unsere Ehe zu pflegen. Was haben wir uns noch zu sagen, wenn wir mal nicht über die Kinder sprechen? Wenn wir nichts organisieren müssen? Hat sich unsere Ehe womöglich auf das Elternsein reduziert? Auf unsere neue, wichtige, gemeinsame Aufgabe?

Ich bin der festen Überzeugung: Wenig prägt Kinder so positiv, wie die tiefe Liebe ihrer Eltern zueinander. Kürzlich las ich passend hierzu das Zitat: „Das Beste, was Eltern für ihre Kinder tun können, ist, sich gegenseitig zu lieben.“ (Benjamin Salk) Und auch wenn ich das glaube, erkenne ich die Schwierigkeit hierbei. In seinem Gedicht „Sachliche Romanze“ beschreibt Erich Kästner sehr eindrücklich das „Abhandenkommen“ einer Liebe:

„Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.“

Den genauen Trennungsgrund erfahren wir nicht. Das Paar hat möglicherweise auch überhaupt keine Kinder. Dennoch beschreibt Kästner hier einen Umstand, der wohl insbesondere für uns Eltern nicht zu vernachlässigen ist: „Sie kannten sich gut“ und hatten sich womöglich so sehr aneinander gewöhnt, dass ihnen mitten in ihrem Alltagstrott urplötzlich die Liebe verloren gegangen ist. Jonathan und ich wollen das unbedingt verhindern. Wir wollen verhindern, dass wir uns eines Tages gegenübersitzen und nicht mehr wissen, worüber wir reden sollen, weil die Kinder aus dem Haus sind. Weil unsere gemeinsame Aufgabe, die wir über viele Jahre verfolgt haben, erledigt ist. Aber was können wir tun, um im Alltagstrubel unsere Liebe zu bewahren? Wie verhindern wir, dass sie uns zwischen all den Windeln und Wäschebergen abhanden kommt?

Gemeinsame Auszeit einrichten

Um unsere Beziehung zu pflegen, versuchen wir, im Alltag immer mal wieder kleine Auszeiten einzurichten. Zeiten, in denen wir bewusst über das sprechen, was jeden von uns ganz persönlich bewegt. Und über das, was uns als Paar wichtig ist. Wie geht es dir wirklich? Was beschäftigt dich / freut dich / macht dich traurig? Wie geht es uns als Paar? Wofür schlägt unser Herz? … 

Hatten wir einen Säugling zuhause, fanden diese „Dates“ meistens dann statt, wenn das Baby schlief. Wir blieben auf dem Sofa und bestellten Essen vom Lieferservice. Als wir unsere Kinder auch mal einige Stunden bei einem Babysitter lassen konnten, gingen wir ab und an zu abendlichen Dates aus. Ein großes Dankeschön an unsere Freunde und Familie!

Dieses gemeinsame Ausgehen empfehle ich auf jeden Fall. Ein Ortswechsel kann sehr förderlich sein, um die Gedanken neu zu ordnen. Darüberhinaus beleben gemeinsame Erlebnisse eine Beziehung.

Die Überraschung

Diese abendlichen Dates schätze ich sehr. Nun jedoch überraschte Jonathan mich mit einem ganzen Wochenende. Mit einer richtig langen Auszeit. Er hatte sich Gedanken über ein passendes Reiseziel gemacht sowie über mögliche Unternehmungen.  Zudem organisierte er gleich die Versorgung der Kinder bei den Großeltern. Danke liebe Schwiegereltern!

Da Jonathan und ich sehr gerne wandern und schon früher gerne im Harz unterwegs waren, buchte er uns dort eine Ferienwohnung. Der Termin hätte kaum besser gewählt sein können: Ich liebe Schnee und gerade an „unserem“ Wochenende war der Brocken und die Umgebung ein wahres „Winterwunderland“. Unser Gott meinte es gut mit uns!

Wir unternahmen also zwei größere Wanderungen im Schnee, schlenderten durch die Stadt, gingen ins Restaurant, unterhielten uns lange und gut, spielten Gesellschaftsspiele, beteten zusammen, kurzum: Wir pflegten unsere Beziehung. Dabei merkten wir wieder einmal, dass wir eben nicht nur Eltern sind. Nicht nur Mutter und Vater zweier Kinder, sondern Liebespaar und beste Freunde.

Natürlich verbinden uns unsere Kinder. Sie sind ein so wichtiger Teil unseres Lebens und wir wollen sie nicht missen. Gleichzeitig verbindet uns aber auch darüber hinaus noch so viel mehr: unsere Liebe und Freundschaft, unser Glaube, unsere Freude am Wandern und Spielen, die Musik … Wir möchten einfach nicht, dass wir uns irgendwann nur noch durch die Kinder definieren. Dass sie womöglich das Einzige sind, was uns (noch) verbindet.

An der Beziehung arbeiten

Menschen verändern sich. Die Lebensumstände ebenfalls. Kinder kommen und verlassen uns wieder. Nichts scheint wirklich konstant zu sein. Wie steht es um uns als Paar? Liebe ist mehr als nur ein Gefühl. Wir sind der festen Überzeugung, dass sie eine Entscheidung ist. Deshalb möchten wir nicht zulassen, dass wir uns über die Jahre „auseinander leben“ wie das Paar in Erich Kästners Gedicht.

Wir wollen uns bewusst für die Liebe zueinander entscheiden und an unserer Beziehung arbeiten. Diese Auszeiten mitten im oft turbulenten Alltag sind nur ein kleiner Baustein hierzu, aber dennoch empfinden wir sie als sehr hilfreich. Denn insbesondere mit kleinen Kindern sind viele gemeinsame Hobbys auf einmal nicht mehr möglich. Hier kann eine Auszeit helfen, diese wieder neu aufleben zu lassen oder gemeinsam neue Hobbys zu entdecken. Wenn wir ohne Kinder unterwegs sind, wird uns neu bewusst, dass wir mehr sind als nur Eltern. Wir sind ein Ehepaar und wollen uns unsere Liebe bewahren.

Und gleichzeitig wissen wir, dass wir trotz all unserer Bemühungen vollkommen von Gott und seiner Hilfe abhängig sind:

„Wenn der HERR [Gott] nicht das Haus baut, dann ist alle Mühe der Bauleute umsonst. Wenn der HERR nicht die Stadt bewacht, dann wachen die Wächter vergeblich.“ (Psalm 127,1)

Wir arbeiten vergebens an unserer Ehe, wenn Gott sie nicht schützt und unsere Liebe zueinander erhält. Aber wir dürfen ihn darum bitten und mit seiner Hilfe rechnen.

Praktische Anwendung

  • Egal ob du Kinder hast oder nicht: Wie steht es um dich und deinen Partner?
  • Was könnt ihr tun, um eure Beziehung zu pflegen? Gibt es potenzielle Babysitter, die ihr engagieren könntet, um euch kleine Auszeiten zu schaffen?
  • Welche Rolle spielt Gott für euch? Als Paar und individuell?

3 Antworten auf „Auszeit zu zweit“

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